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Zeitreise ins Ungewisse

TimelineEin Mann wird sterbenskrank in der Wüste gefunden. Und irgendetwas scheint ihn verändert zu haben – sein Hemd passt nicht mehr und sogar auf subatomarer Ebene scheinen seine Gefäße, Knochen und Sehnen merkwürdig verschoben zu sein. Das Rätsel dahinter ist eine der unglaublichsten Entdeckungen des neuen Jahrtausends. Doch gleich mehr zum Inhalt.

Das (Hör)buch “Timeline” von Michael Crichton wird von Oliver Rohrbeck gelesen. Klingt zunächst sehr interessant und vielversprechend, doch manchmal liegt der Teufel im Detail. Ok, nun aber genug der Spannungsbögen, machen wir also weiter mit dem Inhalt.

Ein Wissenschaftlerteam mach Ausgrabungen an einer ehemaligen mittelalterlichen Stadt nebst zwei Burgen an der Dordogne. Doch dann tritt eine Repräsentation des Sponsors, dem Technologiekonzerns ITC, auf den Plan und verlangt eine Beschleunigung der Aktivitäten und verweist auf Gebäude welche das Ausgrabungsteam noch nicht zu Tage gefördert hat. Was allerdings das Team stuzig macht: Diese Gebäude sind auf keiner Karte und Aufzeichnung vermerkt, werden aber nach den Hinweisen der Firmenrepräsentantin gefunden. Hier verlangt der Leiter der Ausgrabung, Professor Edward Johnson, Aufklärung und fliegt zum Hauptquartier von ITC in die USA. Kurze Zeit später findet das Ausgrabungsteam eine Nachricht von einem Meister Eduardus aus dem frühen 14 Jahrhundert – eindeutig die Handschrift des verreisten Professors. Drauf hin reisen seine Studenten ebenfalls zum Hauptquartier von ITC und müssen eine erstaunliche Entdeckung machen: Die Firma hat einen Weg zurück in die Vergangenheit gefunden….

Fangen wir mit der guten Nachricht an: “Timeline” ist eine Science Fiction / Fantasy-Thriller welcher eine gute Basis für einen spannenden Roman bietet. Und auch wenn Michael Crichton einige interessante Winkelzüge anstellt so sind bedauerlicherweise einige Erklärungsversuche, insbesondere das Heranziehen der Quantentechnologie, teilweise so arg konstruiert das die Glaubwürdigkeit sehr darunter leidet. Auch sind einige der Charaktere stereotype Figuren deren Handlungen vorhersehbar sind. Der Plott bietet hier und dort einige interessante Wendungen, ist jedoch bedauerlicherweise auch ein wenig zu sehr vorhersehbar so dass der fesselnde Moment einer Geschichte leider nicht ganz zum Tragen kommt. Auch wenn ich es ungern schreibe, leider vermag auch die Leistung von Oliver Rohrbeck das ganze nicht auf den Gipfel zu heben, welchen die Grundidee der Geschichte eigentlich verdient hätte. Die Differenzierung zwischen den Charakteren wirkt leicht überzeichnet und karikiert somit die Intention den Text lebendig erscheinen zu lassen. Hinzu kommt, dass Rohrbeck in dieser Geschichte nicht “ganz aus seiner Haut” heraus kommt und sich somit erzählerisch ein gewisser Einheitsbrei einstellt.

In Summe bietet “Timeline” einen spannenden Grundplott mit ein paar interessanten Figuren, welcher jedoch die guten Grundlagen nicht für sich zu nutzen vermag. Hier hilft auch die Hörbuchversion nicht weiter, zum Teil ist es sogar eher kontraproduktiv zu werten.

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Er ist wieder da

Er ist wieder da

 

Er ist wieder da. Und hat sich kein Stück verändert – die Welt um ihn herum hingegen schon, zumindest glaubt sie es. Ich will jedoch nicht die Schlussfolgerung an den Anfang stellen, daher fange ich zunächst konsequenterweise mit dem Anfang an.

Berlin 2011. Adolf Hitler erwacht aus einem langen Schlaf. Allein. Ohne Reichskanzlei, Eva, Staatsapparat und unzähligen Gehilfen. Dafür jedoch in einer nach Benzin stinkenden Uniform auf einem Hinterhof wo ein paar Jungs Fußball spielen und den merkwürdig gekleideten Mann mit einer seltsam gestelzten Aussprache und verwirrtem Gesichtseindruck zunächst erst einmal ignorieren. Nach einem für ihn immer noch nicht erhellenden Gespräch mit diesen “Hitlerjungen welche scheinbar ihre Uniform vergessen haben” versucht sich der Ex-Machthaber im Berlin der Neuzeit zurecht zu finden und trifft in der Folge auf arg wundersame Dinge. Nicht nur dass die “Reichskanzlei” nun von einer Frau regiert wird, seltsame Zeitungen mit dem Namen “Mediamarkt” publizieren – nein, es gibt sogar dererlei faszinierende Dinge wie “dieses Internetz“. Als durch einen Zufall eine Produktionsfirma auf den “Hitler-Imitator” aufmerksam wird erkennt selbiger recht schnell, dass die Medien sein stärkstes Werkzeug zur Rückkehr an die Macht sein können. Und so dauert es auch nicht lange bis zum ersten Auftritt in einer Fernsehshow…

Das Hörbuch “Er ist wieder da” von Timur Vermes surft auf einem ganz schmalen Grat. Zum einen ist es, durch die Konfrontation eines aus den 30ern des vergangenen Jahrhunderts stammenden Mannes mit der Neuzeit, getrieben von einer kompromisslosen Ideologie an vielen Stellen zum kaputtlachen (“Wer ist eigentlich dieser Herr Starbuck der überall behauptet Kaffee zu verkaufen? Kein Mensch kann an allen Orten zu gleich sein!“) und strotzt nur so vor Situationskomik und bösartigem, bissigem Zynismus. Auf der anderen Seite schafft es Vermes sich eng an die Vorgaben zu halten, ein doch sehr heikles Thema in eine Form zu geben die überzeichnend aber auch erschreckend ehrlich ist. Der Spagat, welcher eine Satire ausmacht, kann in diesem Fall nur als äußerst gelungen bezeichnet werden.

Hinzu kommt die großartige Interpretation durch Christoph Maria Herbst welcher erschreckend genau die Intonation, Stimmfarbe als auch Stimmmelodie Hitlers trifft. Hierdurch gewinnt das Hörbuch eine besondere Portion an Klasse und zusätzlichem Unterhaltungswert. Herbst lässt sich in keinster Weise durch Fallstricke im Text beirren und seine Interpretation setzt diesem Hörbuch die Krone auf.

Soweit so gut – alles Lustig und heiter, ein wenig Satire und das war es dann? Nein, damit würde man dieses Buch unterschätzen. Denn es hat auch noch eine ganz andere Seite; eine ernste, dunkle Seite. Tim Vermes zeigt auf teilweise erschreckende Art und Weise dass in vielerlei Hinsicht die Menschen doch leider noch nicht viel hinzugelernt haben. In einer Welt des “Geiz ist geil“, Quoten, “Gefällt mir”, Erfolg “auf-Teufel-komm-raus” gelingt es dem Hitler der 30er Jahre problemlos die Menschen des neuen Jahrtausends für sich zu vereinnamen, denn dem “erfrischend authentischen” Demagogen sind Quoten egal, er will nur eines: Die Menschen auf manipulative Weise gewinnen und da ist ihm jedes Mittel recht. Neben der guten Unterhaltung bleibt somit die Frage wie weit sich 2012 von der Geschichte entfernt hat und ob nicht doch hier und da Wachsamkeit geboten ist.

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Glück im Unglück

Pechvogel“Glück lässt sich nicht erzwingen!” Das mag sein. Aber es lässt sich stehlen – wenn man Glückswilderer ist. Und daraus lässt sich ein wunderbares Geschäft machen. Aber selbst einem Glückswilderer kann ein glücklicher Tag zur Hölle werden. Soweit in Kurzform das Konzept von “Pechvogel“, dem aktuell neuesten Roman von S.G. Browne – einem Autor welchem wir u.a. schon den grandiosen Roman “Schicksal” zu verdanken haben.

Wir begleiten in der Erzählung den Privatdetektiv Nick Monday einen ganzen Tag lang – ein Tag welcher für Monday zu einem echten Höllentag wird. Da ist zum einen die ihn bezaubernde Tuesday welche von ihm wissen will, wer ihrem Vater das Glück gestohlen hat. Zu dumm, dass es Nick Monday in seinem “Zweitjob” als Glückswilderer selbst war. Dann hätten wir noch das ominöse “Rollermädchen” welches ihm erst eine Band von Skatern auf den Hals hetzt und ihm kurze Zeit später zur Flucht verhilft. Außerdem ein Mafioso, welcher ihn zwingen will alles Glück der Stadt zu rauben und seinem Auftraggeber zu übergeben auf das diesem – vor Glück strotzend – alles gelingen mag. Und dann ist das noch die Polizei, welche von Nick verlangt genau besagtem Mafioso eine gehörige Portion Pech zu liefern um dessen Machenschaften endlich zu beenden. All dies stürzt auf Nick im Laufe dieses Tages ein, ein Tag welcher unschöner nicht sein könnte. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass er permanent entführt, erpresst, niedergeschlagen, bedroht und verführt wird. Man könnte meinen, Nick wäre ein echter Pechvogel. Und so nimmt das Chaos seinen Lauf…

Brownes Buch ist ein unglaublich unterhaltsamer Mix aus Kuriositäten, absurden Situationen und schrägstem Humor welcher eine blanke Attacke auf das Zwerchfell nach der nächsten reitet. Nick Monday wird auf so viele Art und Weise gebeutelt das man direkt unfassbar viel Mitleid mit der armen Kreatur hat die so einiges über sich ergehen lassen muss und doch wie ein “Stehaufmännchen” niemals aufgibt. Ähnlich wie sein Vorgänger ”Schicksal” neigt der Roman zu irrwitzigen Konstellationen ohne jedoch zu überzeichnen oder gar ins Lächerliche abzugleiten. Kurzum: Man nimmt Browne das Ganze erfreut ab und beschränkt sich auf den Genuss einer turbulenten Erzählung. Das Sahnehäubchen bildet die ungemein Unterhaltsame Interpretation des Textes durch Simon Jäger. Auch wenn Jäger nicht zu Höchstform wie bei “Verflixtes Blau” aufläuft so lässt er den bedauernswerten Nick Monday sehr lebendig durch sein Schicksal stolpern und macht aus dem Hörbuch einen Genuss.

In Summe hat man wenn man “Pechvogel” für sich entdeckt hat eine gehörige Portion Glück im Unglück gehabt.

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Ein Mann sieht blau

 

Christopher Moore - Verflixtes Blau

 

Der Selbstmord des begnadeten Malers Vincent van Gogh erschüttert die Pariser Kunstszene. Wie konnte es dazu kommen? Und was in aller Welt hat dem Künstler eine solche Angst vor der Farbe “blau” eingejagt? Diese und viele weitere Fragen rund um den Tod des holländischen Maler sind es, welche auch den Bäckersjungen Lucien Lessard – auf dem besten Weg selbst ein berühmter Maler zu werden – und seinen besten Freund Henri – der Mehrheit besser bekannt als Henri Marie Raymond de Toulouse-Lautrec-Monfa – umtreiben. Dann gibt  es da noch ein wunderschöne Frau namens Juliette, welche Lucien begegnet und ihn zum Malen inspirieren will. Was Lucien aber nicht ahnt ist die Tatsache, dass ein mysteriöser Farbenmann im Hintergrund die Fäden zieht und es scheinbar auf jeden Künstler auf dem Montmatre abgesehen hat. Die Dinge nehmen ihren Lauf als Juliette Lucien eine Tube mit dem geheimnisvollen sacré bleu überreicht und dieser in einen wahren Malrausch verfällt so dass er seine Pflichten in der Bäckerei vernachlässigt. Da fühlt sich Toulouse-Lautrec genötigt ein mal nach dem Rechten zu sehen und macht eine sehr seltsame und zugleich beängstigende Entdeckung.

Verflixtes Blau” ist der momentan jüngste Wurf des Schriftstellers Christopher Moore der seiner Linie auch hier treu bleibt. In diesem Falle baut er jedoch – anders als bei “Ein todsicherer Job” – eine Eingangshürde auf: Das Buch müht sich durch die ersten Kapitel und die sonst so Moore-eigene Dynamik bleibt ein wenig auf der Strecke. Wer jedoch ein wenig Durchhaltevermögen mitbringt wird anschließend reichlich belohnt: Neben einem Rundgang durch die Pariser Kunstgeschichte des vergangenen Jahrtausends findet man eine unglaubliche Vielzahl an liebevoll gezeichneten und ausgearbeiteten Charakteren vor die Ihresgleichen suchen. Christopher Moore lässt alte Monty Python Zeiten hochleben und strotzt nur so vor bizarrer Situationskomik und scheut auch nicht davor zurück, historische Figuren eine neue Identität zu geben. Hinzu kommen viele liebevolle kleine Details und Absurditäten, welche dem Hörer das eine oder andere Lächeln ins Gesicht zaubern (z.B. wenn der Versuch von Toulouse-Lautrec, mit Hilfe von dampfbetriebenen Stelzen sein Größendefizit wett zu machen darin endet, dass seine Schuhe Feuer fangen).  Und selbst Oscar Wilde kommt nicht darum herum mit Henri in einer Pariser Kneipe zu versumpfen und aus der verworrenen Erzählung ein Buch schreiben zu wollen. Wer hätte schon gedacht das hier “Das Bildnis des Dorian Gray” seinen Anfang nahm?

Zu unglaublicher Hochform läuft bei diesem Hörbuch Simon Jäger auf: Seine Darstellung der Charakter ist so unglaublich lebhaft und abwechslungsreich, so dass Jägers Interpretation zum Hauptmotor der Geschichte wird. Allen voran sein Henri Toulouse-Lautrec gönnt sich eine Wortgewalt die sehr dicht an einige Louis de Funes Szenen heran kommt. Aber auch “der Farbenmann” oder Mère Lessard sind auf ihre Art hinreißend (unfreiwillig) komisch, das einem dieses Hörbuch – trotz der bereits erwähnten Eingangshürden – ans Herz wächst.

In Summe eine sehr gelungen Produktion welche dem Hörer zwar anfänglich Durchhaltevermögen abverlangt, dann aber zu großer Hochform aufläuft. Wer also schon immer wissen wollte, warum ein perfektes Baguette knirscht wenn man es über den Schädel gezogen bekommt, ist hier goldblau goldrichtig aufgehoben.

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Kreuzzung made in Germany

Ein Kreuzzug muss nicht immer in das heilige Land gehen. Insbesondere in “modernen Zeiten” zeigt sich auf teilweise sehr dramatische Weise das eine wie auch immer vermeintlich religiös motivierte Gewalttat immer und überall stattfinden kann. So auch in Deutschland – in diesem Fall hat zumindest der Versuch die Fiktion nahezu eingeholt. Doch in dem Thriller von Marc Ritter steckt mehr dahinter. Denn warum wissen die Attentäter so haarklein genau wo sie zuschlagen müssen? Und warum wird die ganze Aktion von einem CIA Mann per Video überwacht? Fragen über Fragen.  Doch beginnen wir mit dem Anfang: 4 Blitze und ein paar kleine Rauchwolken, und dann ist es geschehen: Die Zugspitzbahn wird in ihrem Stollen eingeschlossen. Was sich zunächst als schrecklicher Unfall darstellt wird schnell zu einem Anschlag. Doch dessen nicht genug: Der Anschlag entwickelt sich zu einer waschechten Geiselnahme. Doch was die Verantwortlichen im Krisenstab zunächst nicht ahnen: Auch die Skifahrer auf der Zugspitze werden als Geisel genommen. Das zeigt sich auf dramatische Weise als eine vollbesetzte Bergbahn abstürzt nachdem der Hauptstützpfeiler (ebenfalls) weggesprengt wird.

Marc Ritter entwickelt einen hoch dynamischen Plott indem er das offensichtliche noch ein Stück weiter spinnt: Kappt man beide Seilbahnen und stoppt die Bergbahn, so ist die Zugspitze komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Er entwickelt einen anfangs recht gewundenen Plott welcher ihm – dies sei als eine der wenigen Schwachstellen des (Hör)buchs erwähnt – dann hinterher vor die Füße fällt: Die letzten Abschnitte der Geschichte wirken arg gehetzt, hier wäre noch potential für mehr gewesen und man wird den Eindruck nicht los, dass dem Autor die Seiten ausgegangen sind. Nichts desto trotz sind viele der Verwicklungen clever gesponnen und viele der Charakter sehr dicht an der Realität angelehnt: Ein (Ex) Verteidigungsminister dessen erste Sorge seine Medienpräsenz ist, ein von Verzweiflung getriebener Südamerikaner der keinen Ausweg mehr sieht so wie mehrere kleine Lokalgrößen welche stets darin bestrebt sind sich gegenseitig zu übertreffen. Nichts desto trotz sind die Figuren glaubhaft mit der notwendigen Tiefe ohne absurd zu wirken oder gar zur Satire zur verkommen.

Das Hörbuch entwickelt dank des souveränen Vortrags von Detlef Bierstedt  welcher ohne große Stimmakrobatik eine spannende Atmosphäre aufbaut und den Hörer sanft aber stetig weiter antreibt wodurch es ungemein schwierig fällt den Text zu unterbrechen – ein Pluspunkt für das gelungene Duo aus Autor und Sprecher. Somit bleibt alles in Allem ein spanender Thriller made in Germany der lediglich gen Ende einen furiosen Schlussspurt hinlegt welcher ein wenig gehetzt wirkt, aber dem sehr positiven Gesamteindruck keinen Abbruch tut.

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Aufräumen mit der Abrissbirne

Der Boss hat wieder zugeschlagen – dieses mal mit der Abrissbirne. Das 17. Album von Bruce Springsteen ist vergleichbar mit einem guten Whisky: Je älter desto besser. Es trägt zwar unverkennbar die Handschrift eines großartigen Musikers welcher einen Musikstil mitgeprägt hat ohne jedoch die Gegenwart aus den Augen zu verlieren. Nach Springsteens Aussage entstand das Album im Schatten der Finanzkrise 2008 und so zeugt der Grundtenor von harter (berechtigter) Kritik an den Heuschrecken welche letztendlich die Abrissbirne für das Zeitalter der Sorglosigkeit und Casino-Spekulanten wurden und den “einfachen Leuten” die pure Verwüstung hinterließen. Hier sticht insbesondere “Death To My Hometown” heraus:

They destroyed our families’ factories and they took our homes
They left our bodies on the plains, the vultures picked our bones

Der Song stich neben einem für Springsteen durchaus unüblich deutlichem Text mit einem hohen Maß an musikalischem Zynismus heraus: Während der Text inhaltlich zornig und teilweise bedrückend ist begleitet eine fröhliches mit Anleihen an Irish Folk gestaltete Musiklinie den Song und stellt einen krassen Widerspruch heraus. Hierbei verlässt Springsteen jedoch nie die Pfade der guten Unterhaltung ohne den Fokus auf seine Kritik zu verlieren – der geplatzte amerikanische Traum dessen Ende mit den Sorgen, Nöten und Sehnsüchten sowie bitteren Enttäuschungen garniert ist. Als Beispiel sei hier “Jack of All Trades” genannt:

The banker man grows fatter, the working man grows thin

Auch wenn Springsteen weiterhin am Konzept seiner “Wall of sound” festhällt lässt er allerdings stets neue Einflüsse zu: Dies zeigt die neue Version von “Land Of Hope and Dreams” welche dem Drumcomputer einen Zugang erlaubt und gleichzeitig die furiose Verabschiedung von Clarence Clemons ist. Seine Saxophoneinlage ist gewohnt intensiv und gefühlvoll und ihr Nachhall wird vielen Fans des Saxophonisten fehlen. Außerdem garnieren die bereits erwähnten Irish Folk Anleihen und Gospel Chöre das Album und komplettieren das Bild eines rundum gelungenen Albums welches gerne und gut ins Ohr geht ohne seine Botschaft aus den Augen zu verlieren.

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