Archiv für April 2012

Aufräumen mit der Abrissbirne

Der Boss hat wieder zugeschlagen – dieses mal mit der Abrissbirne. Das 17. Album von Bruce Springsteen ist vergleichbar mit einem guten Whisky: Je älter desto besser. Es trägt zwar unverkennbar die Handschrift eines großartigen Musikers welcher einen Musikstil mitgeprägt hat ohne jedoch die Gegenwart aus den Augen zu verlieren. Nach Springsteens Aussage entstand das Album im Schatten der Finanzkrise 2008 und so zeugt der Grundtenor von harter (berechtigter) Kritik an den Heuschrecken welche letztendlich die Abrissbirne für das Zeitalter der Sorglosigkeit und Casino-Spekulanten wurden und den “einfachen Leuten” die pure Verwüstung hinterließen. Hier sticht insbesondere “Death To My Hometown” heraus:

They destroyed our families’ factories and they took our homes
They left our bodies on the plains, the vultures picked our bones

Der Song stich neben einem für Springsteen durchaus unüblich deutlichem Text mit einem hohen Maß an musikalischem Zynismus heraus: Während der Text inhaltlich zornig und teilweise bedrückend ist begleitet eine fröhliches mit Anleihen an Irish Folk gestaltete Musiklinie den Song und stellt einen krassen Widerspruch heraus. Hierbei verlässt Springsteen jedoch nie die Pfade der guten Unterhaltung ohne den Fokus auf seine Kritik zu verlieren – der geplatzte amerikanische Traum dessen Ende mit den Sorgen, Nöten und Sehnsüchten sowie bitteren Enttäuschungen garniert ist. Als Beispiel sei hier “Jack of All Trades” genannt:

The banker man grows fatter, the working man grows thin

Auch wenn Springsteen weiterhin am Konzept seiner “Wall of sound” festhällt lässt er allerdings stets neue Einflüsse zu: Dies zeigt die neue Version von “Land Of Hope and Dreams” welche dem Drumcomputer einen Zugang erlaubt und gleichzeitig die furiose Verabschiedung von Clarence Clemons ist. Seine Saxophoneinlage ist gewohnt intensiv und gefühlvoll und ihr Nachhall wird vielen Fans des Saxophonisten fehlen. Außerdem garnieren die bereits erwähnten Irish Folk Anleihen und Gospel Chöre das Album und komplettieren das Bild eines rundum gelungenen Albums welches gerne und gut ins Ohr geht ohne seine Botschaft aus den Augen zu verlieren.

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Frohe Ostern

Frohe OsternNun ist es soweit. Der Hase wird von der Leine gelassen, Hühnerprodukte werden gesucht und dümmliche Witze über das Färben von Eiern gemacht. In die Kerbe soll aber nicht an dieser Stelle geschlagen werden. Ganz einfach ohne Hintergrund:


Ich wünsche allen LeserInnen von Schwindtweb und oder HörerInnen von EyePod frohe Ostern!!


Ach ja: Immer wenn ein dummer Witz über das Suchen eines Ovums gemacht wird fällt in China ein Sack mit Schokohasen um!!

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Sergio, das ist Schicksal!

 

Schicksal

Wer hätte jemals gedacht, dass das Schicksal irgendwann keine Lust mehr auf seinen Job hat? Und das Jerry, auf der Erde auch als Jehova oder Gott bekannt, sich schlicht und ergreifend weigert, ihm einen neuen Job zu geben? Und dann ist da noch die Geschichte mit der Liebe zu einer Sterblichen, eine Faux Pas welcher in dererlei Kreisen ganz und gar nicht toleriert wird?

 

Aber hübsch der Reihe nach: Das (Hör)buch von Scott G. BrowneSchicksal” ist ein herrlich mehrdeutig, durchaus nachdenklicher Roman welcher auf der einen Seite extrem gut unterhält und auf der anderen Seite durchaus zum Nachdenken anregt. Und darum geht es in kurzen Worten: Das Schicksal, welches eigentlich “Sergio” heißt ist mittlerweile 257421 Jahre alt und ist seinen Job gründlich leid. Während seine Kollegin “Bestimmung” eine erfüllenden, angenehme Aufgabe hat muss er mit ansehen, wie “seine” Menschen stets von der Bahn abkommen und eben ihr von Sergio vorgegebenes Schicksal nicht erfüllen. Und außerdem sind “Bestimmung” und “Liebe” wesentlich wohlgelittener als er, lediglich “Teddy” aka der Tod höchstpersönlich wird von den Menschen noch weniger gemocht. Und so beschließt Sergio, seinen Boss Jerry welcher niemand geringeres als Gott himself, nach einem neuen Job zu fragen. Da ihm dies jedoch verweigert wird streift er noch stärker frustriert über die Erde und trifft dann auf den Menschen “Sara” welche auf dem Pfad der Bestimmung wandelt. Somit ist sie eigentlich für das Schicksal Sergio absolut unantastbar, aber er verliebt sich Hals-über-Kopf in sie und bricht damit die oberste Regel von Jerry: Kein Verhältnis mit Sterblichen!  Und das kann auf Dauer eben nicht gut gehen…

 

Dieses Hörbuch ist ein gefundenes Fressen für alle Liebhaber von beißendem Sarkasmus wie er auch z.B. in “Ein todsicherer Job” zu finden ist. Und wie auch in “Ein todsicherer Job” ist es auch in dieser Hörbuchfassung Simon Jäger welcher jedem Charakter seine Individualität verleiht ohne überzeichnend zu wirken. Jägers Erzählstiel ist dezent aber abwechslungsreich und gibt der Erzählung eine zusätzliche Portion gehörigen Schwung.

Allerdings soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass sie ohnehin bereits furios startet. Allein die Tatsache, dass das ganze Spektrum Menschlicher Eigenschaften, Emotionen etc. in Form unsterblicher Wesen umher läuft die alle auf Ihre Art ein Defizit haben und um so liebenswerter erscheinen: Zum Beispiel ist “Faulheit” ein nakroleptischer Kiffer, “Völlerei” leidet unter einer Laktoseintolleranz, “Karma” ist ein Alkoholiker und “Teddy” der Tod hat panische Angst vor Leichen. Darüber hinaus reiht der Text eine Spitze an die Nächste so dass man den Eindruck haben könnte, hier soll lediglich seichte Unterhaltung geboten werden. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wer sich auf den Text einlässt wird sehr schnell feststellen, dass hier der Gesellschaft sehr gnadenlos der Spiegel vorgehalten wird und es eben nicht nur eine reine Parodie auf die Menschheit und ihren Hang zu permanenten Fehlentscheidungen ist. Vielmehr wird der LeserIn/ZuhörerIn oft genötigt über den eigenen Lebenswandel nachzudenken und die eine oder andere Entscheidung zu hinterfragen.

In Summe ein sehr unterhaltsam, angenehm sarkastischer Text welcher grüblerisch und humorvoll zugleich ist ohne dem LeserIn/ZuhörerIn mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen. Kurzweilige Unterhaltung mit Lerneffekt sind die Schlagworte welche das Schicksal beschreiben.

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