Der Boss hat wieder zugeschlagen – dieses mal mit der Abrissbirne. Das 17. Album von Bruce Springsteen ist vergleichbar mit einem guten Whisky: Je älter desto besser. Es trägt zwar unverkennbar die Handschrift eines großartigen Musikers welcher einen Musikstil mitgeprägt hat ohne jedoch die Gegenwart aus den Augen zu verlieren. Nach Springsteens Aussage entstand das Album im Schatten der Finanzkrise 2008 und so zeugt der Grundtenor von harter (berechtigter) Kritik an den Heuschrecken welche letztendlich die Abrissbirne für das Zeitalter der Sorglosigkeit und Casino-Spekulanten wurden und den “einfachen Leuten” die pure Verwüstung hinterließen. Hier sticht insbesondere “Death To My Hometown” heraus:
They destroyed our families’ factories and they took our homes
They left our bodies on the plains, the vultures picked our bones
Der Song stich neben einem für Springsteen durchaus unüblich deutlichem Text mit einem hohen Maß an musikalischem Zynismus heraus: Während der Text inhaltlich zornig und teilweise bedrückend ist begleitet eine fröhliches mit Anleihen an Irish Folk gestaltete Musiklinie den Song und stellt einen krassen Widerspruch heraus. Hierbei verlässt Springsteen jedoch nie die Pfade der guten Unterhaltung ohne den Fokus auf seine Kritik zu verlieren – der geplatzte amerikanische Traum dessen Ende mit den Sorgen, Nöten und Sehnsüchten sowie bitteren Enttäuschungen garniert ist. Als Beispiel sei hier “Jack of All Trades” genannt:
The banker man grows fatter, the working man grows thin
Auch wenn Springsteen weiterhin am Konzept seiner “Wall of sound” festhällt lässt er allerdings stets neue Einflüsse zu: Dies zeigt die neue Version von “Land Of Hope and Dreams” welche dem Drumcomputer einen Zugang erlaubt und gleichzeitig die furiose Verabschiedung von Clarence Clemons ist. Seine Saxophoneinlage ist gewohnt intensiv und gefühlvoll und ihr Nachhall wird vielen Fans des Saxophonisten fehlen. Außerdem garnieren die bereits erwähnten Irish Folk Anleihen und Gospel Chöre das Album und komplettieren das Bild eines rundum gelungenen Albums welches gerne und gut ins Ohr geht ohne seine Botschaft aus den Augen zu verlieren.


