Tiefe, Tiefe – ich bin (nicht) Dein!

Labyrinth der SpiegelZugegeben, dies ist nicht das erste Hörbuch von Sergej Lukianenko welches ich an dieser Stelle bespreche. Und doch hat Lukianenko mit der “Spiegel Serie” erneut bewiesen dass er auch jenseits des Mainstreams und seiner großen “Wächter Serie” unheimlich fesselnde, spannende Bücher schreiben kann. Auch wenn diese Rezension nur den ersten Teil betrifft so sei auch schon jetzt gesagt: Auch der zweite Teil “Der falsche Spiegel” ist ein fesselnder Roman welcher vom Konzept zwar an das erste Buch anknüpft, aber inhaltlich einen neuen Weg geht. Aber bleiben wir doch einfach zunächst bei diesem Titel. Beginnen wir kurz mit ein paar Worten zum Inhalt:

Das Internet hat seine nächste Revolution erlebt als eine neue Software, das sogenannte “Deep Programm”. Dieses Programm erlaubt es den Menschen überall auf der Welt mit Hilfe eines VR-Helmes und Hubtik-Anzuges in die Virtuelle Welt einzutauchen und die Kontrolle über einen Avatar übernimmt und sieht, riecht, fühlt und schmeckt was dieser schmeckt, kurzum, er schlüpft regelrecht in diese Welt hinein mit Leib und Seele. Und so passiert es, dass die Menschen vergessen in welcher Realität nun leben, drohen in der “Tiefe” unterzugehen und finden aus eigener Kraft nicht mehr aus dieser virtuellen Welt heraus. Zu diesem Zweck stellen sich die Menschen eine Art Timerprogramm welches sie nach einer bestimmten Zeit selbständiger wieder aus der Virtualität herausholt.

In dieser Umgebung lebt Leonid, ein Russe aus Sankt Petersburg, ein gewöhnlicher Mensch wie Du und ich- bis auf seine Fähigkeiten als Diver. Als Diver gehört er zu einer der kleinen Menschengruppe welche sich des Unterschiedes zwischen der virtuellen und realen Welt stets bewusst sind und somit in der Lage sind ohne jedwedes Hilfsmittel aus der Tief wieder “aufzutauchen”. Aus diesem Grund sind dreierlei Menschen für Firmen welche selbstverständlich auch in der Tiefe agieren sehr wertvoll und heiß umworbene Auftragnehmer. So auch Leonid, welcher allerdings eines Tages vom Management des “Labyrinth des Todes” den Auftrag bekommt einen Menschen zu befreien, welcher in dieser gewaltigen Spielarena scheinbar festsitzt und dort zu sterben droht da er scheinbar sein Timer-Programm abgeschaltet hat. Leonid nimmt den Auftrag vom Management des “Labyrinth der Todes” an  und das unfassbare geschieht: Es scheint weder Leonid noch sonst wem zu gelingen, den gestrandeten Spieler zu befreien. Erstaunlicherweise scheint ihm aber auch das Verstreichen der Zeit nicht viel anzuhaben….

Dieses Hörbuch fasziniert direkt aus mehreren Gründen: Zum einen ist es eine Zeitreise zurück in die Anfänge des Internets, auch wenn dies eher durch den Fortschritt der Technologie und Zeit bedingt ist; zu der Zeit zu der dieses Buch entstand waren Internetverbindungen via 28.8er Modem, Disketten und Röhrenmonitore sicher en vogue gewesen. Daneben gibt es viele liebevolle Anspielungen und teilweise offene Verwendung von Dingen, welche heute zwar antiquiert erscheinen mögen aber damals durchaus ein bestimmendes Thema waren: So spielt beispielsweise der Ego-Shooter DOOM eine ganz entscheidende Rolle. Neben den Begegnungen aus “der guten alten Zeit als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte” sind es vor allem die dreidimensionalen, tiefgängigen Hauptcharaktere deren Entwicklung plausibel und für den Zuhörer in wohl durchdachten Dosen nachvollziehbar bleibt. Aber auch die Art und Kreativität, mit welcher Lukianenko unermüdlich neue Schauplätze hervorbringt und ihnen seinen persönlichen Stempel aufdrückt – unabhängig von der Tatsache dass das eine oder andere Szenario durchaus an die Neuromancer Trilogien erinnern mag – lässt dieses Buch abseits des Mainstreams ein Kleinod in der modernen SiFi werden.

Die Geschichte ist wohl durchdacht und entwickelt. Sie baut in einer angenehmen Geschwindigkeit langsam aber stetig einen Spannungsbogen auf welcher sich zwar geradlinig aber doch mit ausreichend vielen Lukianenko-typischen Überraschungen und Falltüren auf den Weg zum Finale macht und dann das Gebilde der Erwartung mit einem eiskalten Handkantenschlag zerspringen lässt.

Abgerundet wird das Hörspiel durch eine hervorzuhebende Interpretation durch Rainer Fritzsche. Er schafft es die Charaktere differenziert und unterscheidbar zu gestalten ohne an einer Stelle zu überzeichnen oder es gar in eine Parodie abgleiten zu lassen. Sein Sprechstil ist angenehm unaufgeregt und lässt der Geschichte den notwendigen Raum zur Entwicklung.

In Summe ist “Labyrinth der Spiegel” und auch sein Nachfolger in jedem Fall eine Empfehlung für alle diejenigen, welche eine gewisse Web- und/oder Computeraffinität mitbringen und Spaß an einer Form von Independent-SiFi haben.

Veröffentlicht in Hörbuch Rezensionen | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

#Failstart No1: Nobody in da house

Failstart

Der Mensch hat bedingt durch den Amazonas, die eBucht und weitere Versender vor dem Herrn ein größeres Bedürfnis entwickelt, Pakete und Päckchen zu erhalten und zu versenden. Diesem Trend folgend ist es grundsätzlich ein geniales Konzept, diese lauschige Packstation der Damen und Herren DHL. Wenn man eher seltener zu Hause ist, seinen Nachbarn abgrundtief misstraut, einfach eine persönliche Paketaufbewahrung auf Zeit braucht und zum ermäßigen Tarif Pakete und Päckchen schicken will, der ist hier richtig gut aufgehoben. Meint man. Dachte ich. Ich gehe jetzt einfach mal in meiner naiven an das gute im Menschen glaubenden Sicht davon aus, dass all’ diese Dinge einfach nur ein Phänomen meiner Packstation sind und dass hier einfach mehrfach Murphey zugeschlagen hat, welcher ja bekanntlich ein Eichhörnchen ist. Aber doch wurde ich von dem “Service” dermaßen überrannt dass ich mich wirklich langsam aber sicher frage, ob ich diesem gelben Kästle weiterhin meine Pakete zur Aufbewahrung geben soll bzw. den Versuch unternehmen sollte die Pappkartons in den gierigen Schlund der Maschinerie hinein füttern zu lassen. Denn, here it comes, drama baby. Und ja, diese Dinge sind wirklich passiert :

Es erreichte mich die Nachricht, dass mein Päckchen nicht verfügbar wäre, da die Packstation leider außer Betrieb wäre, man deswegen tränenüberströmt die Fracht in die nächstgelegene Filiale umgeleitet hätte und ich das Ding doch bitte ab 11 Uhr des nächsten Werktages abholen solle. Voller Ergriffenheit und Vorfreude auf meine Lieferung zog ich aus, meine Fracht zu bergen bis mich auf halber Strecke die Kunde erreichte, die Packstation würde wieder funktionieren und ich solle doch mal morgen dort vorbeischauen. Also zog ich unverrichteter Dinge von dannen. Als ich am nächsten Tag dann vor der Maschinerie stand tat diese kund und zu wissen, dass sie defekt sei und ich doch bitte zur Filiale meines mittlerweile größten Misstrauens tigern solle um dort mal nach der edlen Fracht zu schauen. Dort erschien ich dann auch brav  und man tat mir kund und zu wissen, ich möge doch bitte wie schon verkündet erst um 11 Uhr des nächsten Werktages erscheinen. Da dies erst ein Montag wäre hatte ich also das Wochenende Zeit mich auf den Montag zu freuen. Doch dann folgte der Höhepunkt des Dramas: Am Montag wurde mir dann per SMS mitgeteilt, dass die Fracht nun zum Versender zurück geschickt worden wäre, da ich die maximale Lagerdauer überschritten hätte. Wtf!?!? Ich werde meinem geneigten Leser die derben Flüche und Verwünschungen, welche meine zarten Lippen verließen, an dieser Stelle ersparen.

Doch wer glaubt, damit sei die Geschichte rund um die fabulöse Packstation schon beendet, dem sei versichert: Nein, bei weitem noch nicht. DHL hat sich mittlerweile einen Sport daraus gemacht in schöner Regelmäßigkeit mittlerweile ohne Angabe von Gründen meine Pakete “Mir nicht, Dir nichts” in die nächste Filiale umzuleiten. Zur Ehrenrettung der Man in Yellow sei gesagt, dass sie wirklich dann auch dort auf mich warten. ABER: Wenn ich ein Paket zur Packstation beordere, dann will ich es auch dort abholen verdammt noch mal. Ansonsten hätte ich es ja auch zu mir nach Hause, in die Filiale, zum Mond oder sonst wo hin schicken lassen. Ist das irgendeine subtile Form eines DHL-spezifischen Humors der sich mir verschließt  oder  sind sie einfach nur tiefenbescheuert?

Es geht sogar noch eine Stufe besser: Eines meiner Pakete wurde nicht in die nächste Packstation (was ja auch ein absolut revolutionärer Gedanke wäre) oder nächste Filiale (weniger revolutionär da schon öfters erprobt) geliefert, nein, es wurde sang- und klanglos in eine Filiale sagenhafte ca. 15 km von der ursprünglichen Packstation entfernt geliefert. Ich glaube ja gerne dass die Packstation voll war, die Filiale ebenfalls, sämtliche die Packstationen in Reichweite ebenfalls, an den Osterhasen und den Weihnachtsmann sowieso. ABER: Geht es vielleicht nicht noch ein wenig weiter? Es wäre doch auch mal cool gewesen  das Päckchen nach Vaikiki, Honolulu oder Simbabwe zu verschicken. Nochmals zum mitschreiben: Ein Päckchen oder Paket zu kriegen ist für mich nicht Ausdruck meines unnachgiebigen Dranges, möglichst viel von der Welt zu sehen.

Aber auch unser Päckchenauslieferer hat mittlerweile einen denkwürdigen Humor entwickelt. Da mein Misstrauen aus (völlig unerfindlichen) Gründen gegenüber der Packstation gewachsen ist, lasse ich mittlerweile einige der Päckchen nun nach Hause kommen. Nützt mir aber auch nur sehr wenig. Denn manchmal schreibt dieser pseudo-geniale Mensch mit einem arg seltsamen Humor  “Empfänger war nicht zu Hause” obwohl ich nachweislich zugegen war und schreibt als alternativen Empfänger eben “Nachbarn” auf die Karte. Wer  meiner “Nachbarn” genau dies von den zahlreichen Parteien einiger Mehrfamilienhäuser rund um meine Wohnstätte denn nun sein mag, ist sein persönliches, gut behütetes Geheimnis. Und da ich ja Päckchen und Pakete bevorzugt empfange, um ein wenig Spannung in mein sonst langweiliges Leben zu bringen, bin ich natürlich auch für diese Schnitzeljagd dankbar.

Und eine Sache ist zumindest positiv zu erwähnen: Ich habe einen Start für meine “Failstart” Serie gefunden; denn dieser Artikel wird (bedauerlicherweise) sicher nicht der Einzige seiner Art bleiben.

Veröffentlicht in Es spricht | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Hallo Frühling

Hallo Frühling…großartig dass Du wieder da bist. Dass Du wieder meine Nase zum Laufen bringst und meine Augen jucken und rot werden, als hätte ich 36 Stunden permanent irgendwelches Zeug geraucht. Und ich somit wieder Allergietabletten futtern muss.

Soweit zum unangenehmen, nörglerischen Teil dieses Postings. Ansonsten: Sei 1000fach willkommen, wie großartig, dass Du jetzt da bist. Ich kann Dir sagen, es ist eine Wucht wach zu werden und draußen ein Konzert der Extraklasse zu bekommen. Es ist phänomenal morgens die feuerrote Sonne in den Himmel steigen zu sehen. Wie wundervoll, abends im Hellen nach Hause zu kommen und endlich wieder die heißbeliebte Waldrunde zu laufen. Denn sei Dir versichert: So magisch malerisch “Gods Country” auch sein mag, dieses ewige im Schein einer Xenon-Stirnlampe herumgeeiere ist nur eine waschechte Notlösung. Es tut so wahnsinnig gut die Strahlen der stetig stärker werdenden Sonne wieder auf der Haut zu spüren, die  Winterjacke wieder in den Schrank zu verbannen.

Was gibt  es größeres als der Natur beim erwachen zuzuschauen? Zu sehen, wenn in der Stadt wieder die Springbrunnen angehen und die Seilbahn wieder ihren Dienst aufnimmt? Der Eisverkäufer zum ersten mal die Stühle herausstellt und eine proppenvolle Hütte hat?

Ja, Du bist der Nachfolger der langen, eisigen Ruhe und Dein Erscheinen bringt das Blut wieder zum kochen, lässt Träume tatsächlich wahr werden, Schwung holen und begeistert vorwärts stürmen.  Sei 1000fach willkommen, es ist großartig, dass Du wieder da bist. Und das schreibe ich Dir, obwohl ich eigentlich ein Winterkind bin.

 

Veröffentlicht in Es spricht | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Cache No 3 RELOADED: Freundschaftliche Bande (GC3N2PW)

Geocaching logo

Nachdem unser heißgeliebter Cache “Freundschaftliche Bande” Opfer von Vandalismus wurde (einige Dumpfbacken Menschen müssen scheinbar dringend die VHS Kurse “Respekt vor fremden Eigentum 1- 10″ sowie “Normaler Umgang miteinander BASIC & ADVANCED”) haben die Herzensdame und ich lange gegrübelt ob und wenn ja wie wir diesen Cache wiedereröffnen wollen.

Bedauerlicherweise war dieser Cache nicht der erste Cache von uns, welcher den niederen Instinkten einiger Mit”menschen” zum Opfer viel. Was daran genial, cool, intelligent und/oder mutig ist das Eigentum und den guten Willen anderer Menschen zu zerstören wird mir ewig ein Rätsel bleiben. Nicht desto trotz haben wir uns dann doch entschlossen, den Cache wieder zu eröffnen. Doch eine Sache war klar: Eine bessere Tarnung musste her. Wir hatten auch schon eine recht schmissige Idee, welche als Basis ein Tomatensaucenglas hatte:

Cache Stufe 1

Diese recht schlanke Kontur eignete sich hervorragend für unsere Idee: Dieses mal wollten wir den Behälter nicht irgendwo am Boden tarnen, verbuddeln oder hinter dem klassischen Cacher Grill verstecken – er sollte vielmehr sich harmonisch in die Kontur von etwas eingliedern was schon da ist und somit sowohl Cachern eine gewisse Nuss zum Knacken geben als auch so gut getarnt sein, dass Vandalen ihn nicht finden würden. Doch ein nacktes Glas irgendwo hinzuhängen ist sau dämlich wenig geistreich und daher bewaffneten wir uns mit Heissklebepistole und Kunstgrünzeug um ihm ein natürlicheres Aussehen zu verpassen. Et voila:

Cache Stufe 2Somit wird klar was der Plan war: Wir wollten den Cache in einer Efeuranke verstecken. Die Idee kam uns, als wir den Platz des alten Caches besuchten und gehirnt haben, welcher Ort denn nun der möglicherweise Beste sei. Natürlich wird der Kenner von Welt sagen: “Ja die Tarnung ist nun wohl ein wenig dürftig, da sieht man ja alles durch.” Richtig, rein auf dem Boden platziert säh’ das reichlich dümmlich aus. Aber wie schon geschrieben sollte der Cache ja auch nicht am Boden herumstehen/-liegen/-kullern sondern vielmehr in die Lüfte gehen. Und somit brachten wir den Cache an den Ort, wo er hoffentlich lange Zeit vielen Cachern Freude bereiten wird. Und wenn man nun das fertige Ergebnis sieht stellt man fest, dass Kunst und Mutter Naturs Kreationen wunderbar miteinander verschmelzen, ganz so wie wir es uns erhofft hatten:

Stufe 3 - Das FinaleEs bleibt zu wünschen/hoffen, dass der Cache “Freundschaftliche Bande – GC3N2PW” viele Besucher anlockt, vielen Menschen Freude bereitet und ein wenig über die Besonderheit seines Platzes berichtet und möglichst lange an seinem Platz verbleiben kann.

Ach ja, der Disclaimer von Groundspeak für die Logonutzung dieser Kategorie: The Groundspeak Geocaching Logo is a registered trademark of Groundspeak, Inc. Used with permission.

Veröffentlicht in Kistchenjagd | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

Die Rache ist mein!

Todesengel

Eigentlich war dieses Hörbuch eher ein Zufallskauf denn ich war auf der Suche nach einem ganz anderen Hörstoff. Da ich allerdings die Romane von Andreas Eschbach persönlich sehr mag und ich noch nie eines seiner Bücher als Hörbuch genießen konnte, entschied ich mich spontan um. Eine gute Entscheidung, wie sich zeigen sollte. Aber zunächst ein paar Worte zum Inhalt.

Erich Sassbeck zeigt Zivilcourage und will zwei Jugendliche daran hindern, eine Bank in einer UBahn-Haltestelle zu zertrümmern. Leider wird ihm dies zum Verhängnis, denn statt der Sitzgelegenheit schlagen die beiden Jugendlichen nun auf den Rentner ein. Als dieser schon lange am Boden liegt und befürchten muss, sein letztes Stündlein hat geschlagen geschieht das unfassbare: Eine Gestalt, ganz in ein strahlendes Weiß gehüllt erscheint hinter den beiden Jugendlichen und erschießt diese. Doch kaum ist der Knall des Schusses verhallt verliert Sassbeck das Bewusstsein und als er wieder aufwacht sind Rettungsdienste und Polizei bei ihm. Und letztere will von ihm wissen, wo er denn nun seine Makarov Pistole versteckt hat welche er als Ex-DDR-Grenzsoldat doch sicher noch hat. Denn mit genau dieser Waffe seien die beiden Jugendlichen erschossen worden. Sassbecks Beteuerungen, er hätte einen Engel gesehen und dieser hätte die beiden Jugendlichen gerichtet wird von der Polizei so lange verworfen bis besagter “Todesengel” erneut einen bedrängten in allerletzter Sekunde rettet, Sassbeck hingegen aber noch im Krankenhaus liegt….

Andreas Eschbach liebt das Winkelspiel und führt dieses auch mit großer Präzision. Man mag sich auch noch so anstrengen: Fehler in der Konstruktion des Plots oder den Handlungsabläufen sind wenige zu finden. Auch wenn die Charaktere manchmal ein wenig zu gewollt erscheinen so ist es dann das sprichwörtliche Haar in der Suppe welches hier gefunden wird. Vielmehr ist “Todesengel” ein packender Thriller welcher zwar durchaus seine blutigen Momente hat und somit sicher nichts für extrem schwache Nerven ist, aber dafür extrem gut unterhält und den Leser/Hörer über lange Strecken sehr bei Laune hält. Will man dem Buch etwas ankreiden dann vielleicht die Tatsache, dass die Auflösung im letzten Drittel des Textes zu früh kommt und viel Energie darauf verwendet wird, besagten Täter nun zu fassen anstatt noch ein wenig feiner die Motive herauszuarbeiten.

Matthias Koeberlin liefert als Sprecher ein solide Leistung ab und schafft es, die Charakter plastisch in der Gedankenwelt des Zuhörers erscheinen zu lassen. Sicher, eine große Inszenierung findet an dieser Stelle nicht statt, würde aber vermutlich auch den Text mehr belasten als fördern. So lässt Koeberlin der Geschichte den notwendigen Raum und führt sie dennoch souverän bis zum Ende.

In Summe ist “Todesengel” ein unterhaltsamer Thriller welcher sich intensiv mit den Grenzen der Selbstjustiz auseinander setzt ohne den berühmten “mahnenden Zeigefinger” einzusetzen. In Summe ein Hörempfehlung.

Veröffentlicht in Hörbuch Rezensionen | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

What’s zur Hölle?

WhatsZurHölle?Facebook kauft “WhatsApp”. Diese kleine Nachricht sorgt für eine helles Entsetzen in der Welt und einen Massenexodus bei dem vormals so beliebten Kurznachrichtendienst als würde die nächste Sintflut unmittelbar bevor stehen. Threema und/oder Telegramm sind die neuen Heilsbringer, möglicherweise auch noch iMessage. Und da fragt man sich doch? Was zur Hölle passiert hier eigentlich (nicht)?

Jetzt wo die böse Datenkrake Facebook das unschuldige kleine WhatsApp gekauft hat, ja jetzt ist es bald vorbei mit der Privatsphäre, jetzt stehe ich quasi nackt im Neuland!! (mal abgesehen davon, dass dies einige Menschen vor Ihrer Webcam, teils unaufgefordert, sowieso machen – ähm ich schweife ab…)  Srsly?!? Seien wir doch mal ganz ehrlich zu uns selbst. Facebook ist nur so gut oder schlecht wie weit der gemeine und weniger hinterhältige Nutzer es mit Daten füttert. Wer jeden Rülpser, jede Regung, jeden Schritt von sich postet, liked oder sonstwie macht der darf sich nicht wundern wenn dies in zahlreichen mehr oder weniger cleveren Algorithmen verhackstücket wird. Das Zauberwort nennt sich also “Selbstkontrolle”. Sicher ist dies eine etwas pessimistische Sicht, unterstellt sie doch dass jede (vermeintliche) Datenschutzeinrichtung von Facebook mehr oder weniger gezielt unwirksam ist. Aber noch mal: Es hat jeder selbst in der Hand was er/sie ins Internet stellt und was nicht.

 

Und nun wird also WhatsApp Teil dieser gigantischen Datenauswertungsmaschinerie. Vorbei mit der Privatsphäre, ab jetzt ließt der blaue Bruder mit und verkauft es möglichst gewinnbringend an die NSA, Werbekunden, den Weihnachtsmann und den lieben Gott.  Jedes digitale Geflüster, jedes Bildchen und Audiofile wird gnadenlos mitgeschnitten/überwacht was eigentlich nur zwischen Sender und Empfänger ausgetauscht werden sollte. Aber seien wir doch einmal ehrlich: WhatsUp wird genau so sicher sein wie vorher. Denn – Trommelwirbel – sicher war es noch nie. Alleine die Tatsache dass sämtliche Kommunikation über amerikanische Server lief welche bekanntermaßen ein besonderes Verhältnis zu NSA und Konsorten haben sollte Anlass zum Nachdenken geben. Darüber hinaus ermangelt es noch einer zeitgemäßen Verschlüsselung sowie einer unzureichenden Key-Chain bei der Passwort-Validierung. Und, “Stichwort Datenkrake”: Ist es nicht What’sApp welches bei der Anmeldung mal “mir nichts Dir nichts” vollen Zugriff auf das persönliche Adressbuch verlangt und als erste Amtshandlung gerne die private Handynummer Zwecks Validierung hätte? Man stelle sich vor jeder Single würde nun bei seinem Traummädchen die Handynummer “Zwecks validierung” einklagen. Ihm würde Sie vermutlich einen Vogel zeigen – aber bei WhatsApp macht man doch gerne eine Ausnahme, oder?

Aber genug der scharfen Kritik, hier ein paar gewichtige Gründe sich von WhatsApp zu trennen:

 

  • Die Welt ist Böse. Somit auch WhatsApp. Und jetzt erst recht.
  • Ich benutze meine Hirnkapazität schon für das Schreiben. Wie kann man da von mir verlangen auch noch über Sicherheit nachzudenken?
  • Facebook wusste vor der Übernahme von WhatsUp noch gar nicht, wer meine Freunde sind. Dies ändert sich nun radikal.
  • WhatsApp ist neben Twix,  Meister Propper und der WC Ente einer der Apokalyptischen Raider
  • Der Kauf ist noch gar nicht genehmigt worden. Aber man kann ja nie wissen….
  • In ein paar Milliarden Jahren wird die Sonne die Erde verschlingen und somit auch die WhatsApp Server ins Nirvana reißen

 

Im Ernst: Ich persönlich halte die komplette Hysterie für überzogen. Jeder halbwegs mündige Mensch sollte wissen dass eine Kommunikation, welche über das Internet läuft nun auch einmal die Möglichkeit des Mitschnitts in sich birgt. Und das nicht erst seit gestern. Somit bleibt es jeder/m selbst überlassen, wie verantwortungsvoll damit umgegangen wird und was wie wo ins Netz gestellt wird. Eigentlich ist es nahezu traurig dass die Menschheit erst darüber nachdenkt, seit Facebook WhatsApp kauft…

Veröffentlicht in Es spricht | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar
« Older
Newer »